athletic
dreams
Wie aus acht oberösterreichischen Zehnkämpfern der erfolgreichste Leichtathletikverein Österreichs wurde – und was ihn bis heute zusammenhält.
Acht Zehnkämpfer gründen einen Verein
Am Anfang stehen keine Funktionäre, sondern aktive Athleten: Roland, Georg und Ulrich Werthner, Hans Dullinger, Gernot Kellermayr, Thomas Mühlberger, Franz Aumayr und Konrad Höfinger gründen die Zehnkampf-Union – oberösterreichische Zehnkämpfer, die ihren Sport selbst betreiben und ihm eine Heimat geben wollen.
Dass der Verein bis heute von Menschen geführt wird, die die Leichtathletik von innen kennen, hat hier seinen Ursprung.
Zweimal Olympia
Die Gründerjahre bringen sofort große Erfolge: Georg Werthner startet bei den Olympischen Spielen in Los Angeles und in Seoul. Dazu kommen Staatsmeistertitel im Zehnkampf und in der Zehnkampf-Mannschaft.
Der junge Verein ist damit von Beginn an dort, wo er hinwill – an der Spitze.
Ein Rückzug – und ein Projekt, das bleibt
Berufliche Wege und Wohnortwechsel der Gründer führen dazu, dass die Betreuungsarbeit im Verein deutlich zurückgeht. Was bleibt, ist eine Idee von 1984: der Jedermann-Zehnkampf.
Aus ihr wird eine europäische Bewegung. Der Verein organisiert die Veranstaltungen in Linz, Salzburg und Wien – und setzt mit immer neuen Teilnehmerrekorden die Maßstäbe.
Der Kinder-Zehnkampf verändert alles
Roland Werthner entwickelt ein Konzept, das die zehn Disziplinen so umbaut, dass Kinder sie vom ersten Versuch an können. Der erste Bewerb findet in Gmunden statt.
- 2001Der ORF berichtet in „Sport am Sonntag“ über den Kinder-Zehnkampf.
- 2002Auszeichnung mit dem BSO-Sport-Kristall als innovativstes Sportprojekt Österreichs.
- 2005Die bis heute größte Veranstaltung in Gmunden mit über 400 teilnehmenden Kindern.
- Heute103-mal an mehreren Orten Österreichs ausgetragen – viele ehemalige Teilnehmer helfen inzwischen federführend mit.
Viele der heutigen österreichischen Spitzenathletinnen und -athleten haben hier die Liebe zur Leichtathletik gefunden:
TGW steigt ein – und der Verein hebt ab
Mit der Unterstützung der Firma TGW bekommen talentierte Nachwuchsathletinnen und -athleten besondere Rahmenbedingungen für ihre sportliche und persönliche Ausbildung. Zusammen mit dem Engagement der Trainer löst das einen Höhenflug aus, der bis heute anhält.
Damals wurden auch jene Grundsätze schriftlich festgehalten, die den Verein seither prägen – das Projekt „athletic dreams“.
Junge Athleten sollen ihr Potential in der Leichtathletik wirklich ausschöpfen können – in einer harmonischen Gruppe von Freunden, unter der Obhut pädagogisch hochqualifizierter Trainer, und ohne dass Schule, Sport und Persönlichkeit je gegeneinander stehen.
Woran wir uns halten
Diese Leitlinien wurden 2010 zu Beginn der Zusammenarbeit mit TGW schriftlich festgehalten. Sie gelten für alle Beteiligten – Kinder, Eltern, Trainer, Funktionäre und Sponsoren.
-
Der Mensch zuerst
Im Vordergrund steht die harmonische Gesamtentwicklung der Kinder und Jugendlichen. Sie sollen sich zu mündigen Persönlichkeiten entwickeln – die sportliche Lebensphase soll eine rundum positiv geprägte Zeit werden.
-
Platz für alles andere
Familie, Freundeskreis, Musik, Kultur, Reisen: Das alles gehört ins Leben eines jungen Menschen. Wir binden diese Bereiche bewusst in die Leichtathletik-Welt ein, statt sie zu verdrängen.
-
Trotzdem klare Prioritäten
Breite Entwicklung heißt nicht Beliebigkeit. Die sensiblen Phasen – jene Entwicklungszeiten mit den besten Anpassungseffekten – wollen wir bestmöglich nützen.
-
10 bis 15 Jahre: Vielseitigkeit
Im Grundlagenbereich geht es um hochwertige koordinative und technische Ausbildung in mehreren Disziplinen. Erst dadurch kann später die richtige Entscheidung für eine Spezialisierung oder den Mehrkampf fallen – und zwar zum richtigen Zeitpunkt.
-
16 bis 20 Jahre: Erfahrung sammeln
Im Anschlusstraining folgt die talentabhängige Leistungsoptimierung: nationale und internationale Erfahrung, auf deren Basis jede Athletin und jeder Athlet fundiert entscheiden kann, welchen Weg sie weitergehen wollen.
-
Eigener Antrieb
Außergewöhnliche Rahmenbedingungen funktionieren nur bei echter Eigenmotivation. Sie zu zeigen ist mittelfristig Bedingung für die Teilnahme am Projekt und für Fördermaßnahmen.
-
Betreuung und Selbstständigkeit
Der Verein sorgt für Trainer, Trainingszeiten, Trainingslager, Anlagen, sportmedizinische und Umfeldbetreuung. Zugleich sollen 10 bis 40 Prozent der Einheiten selbstständig absolviert werden – abgestimmt mit den Trainern.
-
Gemeinsame Verantwortung
Trainer arbeiten überwiegend in ihrer Freizeit, Athleten haben Schule. Wenn es einmal klemmt, liegt das nicht an Einzelnen. Hindernisse zu überwinden – Hürden zu nehmen – gehört zum Reifungsprozess dazu.
-
Langfristig vor kurzfristig
Die langfristige Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung hat deutlich Vorrang vor schnellen Erfolgen einzelner Athleten oder des Vereins.
-
Die Gruppe trägt
Mannschaft und Verein sind kein Beiwerk, sondern entscheidend für das Wohl jedes Einzelnen. Deshalb unterstützen wir das Gruppengefühl durch vielfältige gemeinsame Aktivitäten.
-
Zwei gleichwertige Maßstäbe
Der Erfolg des Projekts misst sich gleichrangig an der Gesamtstärke des Vereins und an der individuellen Entwicklung jedes einzelnen Menschen darin.
Wie das konkret aussieht
Sechs Punkte, die den Vereinsalltag regeln.
Trainingsteilnahme
Die Athletinnen und Athleten wohnen über ganz Oberösterreich verstreut, manche sogar in Kärnten. Deshalb bieten wir Training an mehreren Orten an – in Linz, im Salzkammergut, im Mühlviertel, in Vöcklamarkt und in Radenthein. Dazu kommen Kurz- und Wochentrainingslager, wann immer es sinnvoll und möglich ist.
Die Angebote sind nach Leistung, Disziplin und Alter geplant. Erwartet wird eine in Umfang und Inhalt abgesprochene Teilnahme.
Wettkampfbetreuung
Bei Wettkämpfen betreuen die offiziellen Betreuer des Vereins, unterstützt von den Eltern. Eine übertriebene fachliche Einflussnahme der Eltern sollte dabei vermieden werden.
Nominierungen für Staffeln und Mannschaften obliegen den Vereinsverantwortlichen und erfolgen im Regelfall nach objektiv nachvollziehbaren Kriterien.
Schule und Sport
Nur wenn Schule und Training zusammenpassen, lassen sich die Projektziele erreichen, ohne jemanden zu überfordern. Ein positiver Schulerfolg ist ausdrücklich Teil des Gesamtprojekts.
Eine Verbindung von Training und Schule im Talentezentrum des Landes Oberösterreich kann sinnvoll sein und wird vom Verein wie vom OÖLV unterstützt. Wer diese Möglichkeit nicht nutzen kann, wird gleichwertig betreut und gefördert.
Auftreten
Ein charakterlich positives Auftreten und eine vorbildhafte sportliche Einstellung – beim Training, bei Wettkämpfen und im Trainingslager – sind wesentlicher Teil der Vereinsphilosophie und Grundbedingung für eine längerfristige Unterstützung.
Trainingsdokumentation
Ein Trainingsbuch zu führen hat sich bei vielen Spitzenathleten bewährt und wird bei „athletic dreams“ erwartet und unterstützt. Die gedankliche Auseinandersetzung mit Inhalten, Umfängen und Intensitäten führt langfristig zu höheren Leistungen und zu einer besseren Identifikation mit dem eigenen Tun.
Aus dem Kreis der Athleten selbst ist dafür sogar eine eigene App entstanden, entwickelt von Julius Rudorfer.
Einheitliches Dress
Bei allen Wettkämpfen wird ein einheitliches Auftreten erwartet: Dress, Freizeitleibchen, Sweater und Trainingsanzug des Vereins.
Der König der Athleten
Die Zehnkampf-Union wurde und wird von Menschen geprägt, die ein Leben lang außergewöhnliche Erfahrungen in der Leichtathletik gesammelt haben. Diese tiefe Durchdringung und die Liebe zu dieser Sportart prägen unsere Philosophie.
Der Zehnkampf ist die Königsdisziplin der Olympischen Spiele, der Zehnkämpfer der König der Athleten. In diesem Sinn wollen wir jungen Menschen ein besonderes leistungssportliches Umfeld bieten – eines, in dem sie wertvolle individuelle und soziale Erfahrungen sammeln. Vielseitigkeit ist dabei im Sport wie in der Persönlichkeit jene Basis, aus der herausragende Menschen und Leistungen entstehen.
Der gemeinsame Prozess trägt das Ganze: das Training mehrmals pro Woche, die Trainingslager, die Meisterschaften, die internationalen Wettkampfreisen, das Miteinander von Athleten, Trainern, Vereinsführung und Eltern. Vereinsziele und Vereinserfolge sind deshalb keine Nebensache, sondern wichtige gruppendynamische Bausteine.
Auf diesem Nährboden entwickeln sich immer wieder besondere Athletinnen und Athleten. Endi Kingley, Susanne Gogl-Walli und Sarah Lagger haben sich bereits für Weltmeisterschaften der allgemeinen Klasse qualifiziert und dort gut abgeschnitten. Auch die höchsten Ziele sind bei entsprechendem Talent realistisch.
Und doch soll sich ein Großteil der Athletinnen und Athleten auch auf nationalem und regionalem Niveau bei uns wohl und daheim fühlen. „athletic dreams“ meint ausdrücklich verschiedene Träume.
Die langfristige Vision ist, dass dieser besondere Zehnkampf-Union-Spirit über viele weitere Jahre und Leichtathletik-Generationen weiterlebt.
Teil der Geschichte werden
Ob Kind, Jugendlicher oder Wechsel von einem anderen Verein – komm zu einem Training vorbei und schau es dir an.